Hörstel
Zwischen den Strukturen Twist im Westen und Westerkappeln im Osten gibt es eine weitere, weniger deutlich ausgeprägte, ringförmige Struktur.
Sie hat etwa 14 km Durchmesser und befindet sich im Umfeld der Stadt Hörstel.

Bild: Landsat
Auf manchen Satellitenbildern zeigt sich im nördlichen Bereich eine halbkreisförmige Aufhellung (markiert durch gelbe Flecken im unteren Bild).
Im südlichen Bereich ist dieses Merkmal nicht vorhanden.
Der Mittellandkanal (lila Flecken) zweigt im Osten vom Dormund-Ems-Kanal ab (Nasses Dreieck) und durchschneidet den Teutoburger Wald, einem natürlichen Geländeeinschnitt (Gravenhorster Schlucht) folgend, in nördlicher Richtung.

Im südöstlichen Teil schließt eine bogenförmige Waldfläche (grüne Flecken) an.
Diese Waldfläche (wildes Weddenfeld) zieht sich von der Surenburg bis Elte.
Viele verlandete ehemalige Altarme der Ems in diesem Bereich deuten auf eine Senke hin.
Im Süden fließt die Ems mäandrierend und setzt den großen Bogen fort, der dann im südwestlichen Teil (blaue Flecken) die Stadt Rheine durchquert.
Hier durchschneidet der Fluß einen aus Kalkstein bestehenden Ausläufer des Teutoburger Waldes (ehemalige Emsfurt zwischen Thieberg und Stadtberg).
Am Westrand der Struktur im Bereich Bentlage fließt die Ems dem Bogen folgend nordwärts und knickt dann scharf nach Westen ab.

Auf dem obigen Bild ist noch einmal der gesamte Verlauf des Ringes nachgezeichnet und zusätzlich eine schwach ausgebildete kleine konzentrische Struktur markiert.

Ein perspektivisches Bild aus Google Earth mit Überhöhung der Geländedarstellung, zeigt das Nasse Dreieck in Blickrichtung nordost.
Besonders deutlich wird auch die Fortsetzung der Geländevertiefung in südwestlicher Richtung (Vordergrund).

Stadt Rheine (linke Emsseite flussaufwärts) im Bereich des Emswehres (an der ehemaligen Furt) und der Schleuse, im Hintergrund die Stadtkirche die auf dem Kalksporn gegründet ist.

Stadt Rheine (rechte Emsseite flussabwärts) im Bereich des Emswehres und der Schleuse, auf der rechten Seite Häuser, die auf dem gewachsenen Kalkgestein erbaut sind.
Salzvorkommen:
1.) In Bentlage gibt es Sohleförderung. (Westrand)
2.) Auf einer über 200 Jahre alten Karte ist dort, wo heute der Mittellandkanal den Teutoburger Wald quert, eine Salzquelle verzeichnet. (Ostrand)
3.) In nordöstlichen Bereich der Struktur, wo der Mittellandkanal nach Osten abbiegt, befinden sich Erdfallseeen, die auf unterirdische Salzauswaschung zurückgeführt werden.
Anmerkungen:
Ist eine tiefliegende Impaktursache für diese Struktur denkbar?
So heißt es in der Wikipedia unter dem Stichwort:
Cenote (schachtartiges Kalksteinloch, das durch den Einsturz einer Höhle entstand):
"Im Nordwesten der Halbinsel Yucatán folgen die wasserführenden Schichten und damit die Höhlen den durch den Einschlag des Chicxulub-Meteoriten verursachten Brüchen und Verwerfungen. Der damit verbundene halbkreisförmige Ring von Cenoten bildet den ansonsten längst verschütteten Kraterrand auch heute noch eindrucksvoll nach."
Hierzu siehe auch:
ZDF "faszination Erde"
So heißt es zur Entstehung von Dolinen u.a. unter dieser Adresse:
Eine kurze Geschichte der Frankenalb
Doline..."Aus mehreren, einst selbständigen Dolinen können große Formen ("Uvalas") zusammenwachsen. Die Dolinen entstehen in verkarstungsfähigen Gesteinen vor allem dort, wo etwas leichter verwitterbare dünnbankige Kalke vorliegen, und zwar an den Stellen, an denen das Niederschlagswasser bevorzugt in den Untergrund eindringen kann, so vor allem über den Kreuzungspunkten von Gesteinsklüften und in Störungszonen. Zur Bildung von Dolinen müssen zuerst große Kalkmengen gelöst werden; weil hierzu viel Wasser nötig ist, haben sie in der Regel ein großes oberirdisches Wassereinzugsgebiet."...
Viele bekannte alte Einschlagkrater zeigen ringförmige Vertiefungen, Flüsse oder Seen im Bereich des ehemaligen Kraterrandes.
Beispiele:
Chicxulub-Krater
Manicouagan
Siljan
Offensichtlich kommt es über Millonen von Jahren zu Erdabsenkungen und Einbrüchen im Randbereich von Impaktkratern.
Es scheint auch denkbar zu sein, dass sich solche Einbrüche über Generationen fortsetzen, weil sie z.B. versalzen und später durch Auslaugung neue Einbrüche verursachen.
Ich halte daher eine uralte Impaktursache, der ringförmigen Struktur im Raum Hörstel, für denkbar.
Karl Hovekamp
Stand 22. Mai 2006
Ergänzungen 15. Juni 2008