Der Kreis Steinfurt
Konrad Theiss Verlag GmbH & Co, Stuttgart 1989


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Vielgestaltiger und – sowohl im geologischen Bau als auch in der Oberflächenformung – komplizierter und für das Auge ungeordneter ist das östlich und nordöstlich an den Schafberg anschließende Hügelland, das Teil eines alten zerbrochenen Gebirgssystems ist. Es findet seine Fortsetzung nach Osten im Osnabrücker-Lippischen Hügelland, das – ebenso wie der Tecklenburger Anteil – aus Ablagerungen des Erdmittelalters gebildet wird. Mit Kalken des Perms, Sandsteinen und Kalken der Trias-Zeit sowie Tonen der Jura-Zeit sind Ablagerungen aus fast allen Abschnitten des Mesozoikums im bunten Wechsel an der Oberfläche dieses Raumes anzutreffen.

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(Seiten 16 und 17)


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Das Osnabrücker Bergland


Mesozoische Schichten, die unter den jungen Ablagerungen der Ibbenbürener Talaue verborgen sind, kommen im Raum Velpe-Wersen-Westerkappeln an die Erdoberfläche. Von der tiefsten Trias bis zum höchsten Jura sind hier alle Schichtglieder vertreten, allerdings nicht so ordentlich aufeinanderfolgend wie die Kreide-Schichten des Osnings, sondern stark in meist kleinere Gebirgsschollen zerbrochen und entsprechend nach verschiedenen Richtungen hin mehr oder minder steil aufgerichtet. Zerklüftung und Aufrichtung erfolgten hauptsächlich im Zusammenhang mit der Auffaltung des Teutoburger Waldes, also an der Wende Kreide/Tertiär (Laramische Faltungsphasen), doch dürften erste Bewegungen und Bruchbildungen schon während der höheren Oberkreide erfolgt sein (Subherzyne Faltungen).

Wohl läßt sich im Tecklenburger Land eine deutliche Gliederung vom Trias und Jura in Bundsandstein, Muschelkalk und Keuper bzw. Lias, Dogger und Malm erkennen, aber eine weitere Unterteilung ist aufgrund meist fehlender Fossilien und oft gleichmäßiger Gesteinsausbildung nicht durchführbar.

Die Mächtigkeit des Buntsandstein beträgt etwa 500 m. Er ist zumeist in kleineren Steinbrüchen aufgeschlossen wie z.B. in den Bauerschaften Danebrock und Osterledde. Der Muschelkalk erreicht nur noch 150 m Mächtigkeit. Er tritt in unmittelbarer Umgebung der oben angeführten Vorkommen des Buntsandsteins auf. In den ge1b-braunen Muschelkalk-Schichten kommen oft Muschelschillagen vor. Auch Bänke mit Terebrateln (Brachiopoden) sind recht häufig. In den oberen Horizonten des Muschelkalkes sind Trochitenkalk-Plattenkalke, die vorwiegend aus den Stielgliedern der Seelilie Encrinus liliiformis bestehen, keine Seltenheit.

Wegen schlechter Aufschlußverhältnisse ist die wahre Mächtigkeit des Keupers im Tecklenburger Land schwer zu ermittelt. Schätzungen schwanken zwischen 100 und 230 m. Es scheinen alle Schichtglieder vertreten. Bemerkenswert ist ein Fund der Uferpflanze Equisetites arenaceus in einem Schilfsandstein-Aufschluß in Danebrock sowie das Leitfossil des Mittelräths, die Kaltmeermuschel Pteria (Avicula) contorta.

Der Lias (Schwarzer Jura) ist in unserem Raun typisch ausgebildet: Etwa 450 m dunkle Ton- und Mergelsteine mit Bänken von Toneisen-Geoden (häufig mit Ammoniten oder Muscheln) bilden seine Schichtfolge.

Der knapp 300 m mächtiger Dogger ähnelt den Ablagerungen des Lias. Erwähnenswert sind hier die großen Belemiten der Gattung Megateuthis, die in Ledde eine Länge von über 50 cm haben.

Der Malm bildet den Untergrund der lbbenbürener Talaue. Er kommt am Rand stellenweise an die Oberfläche. Die unteren Schichten ähneln noch denen des Lias und Doggers, der obere Malm ist sodann als Sandstein und Quarzit ausgebildet, der im Gehn, etwas außerhalb der nördlichen Kreisgrenze, in großer Mächtigkeit an die Oberfläche gelangt.

Besonderer Erwähnung bedürfen hier die Schichten des Wealden, der am Nordhang des Osning, im Tecklenburger Raum, als Kalksandstein-Rippe (Proll) hervortritt. Die hier nur 90 m mächtige Schicht nimmt nach Nordwesten rasch auf über 300 m zu. Der Wealden bildet zugleich die nordöstliche Abgrenzung des Teutoburger Waldes gegen das Osnabrücker Hügelland bzw. die Ibbenbürener Talaue.


Der Ibbenbürener Schafberg


Er stellt eine ebenso klar abgegrenzten wie auch intern gegliederten Bergkomplex dar. Nur Schichten zweier Erdepochen sind in seinem Bereich vertreten: Den Hauptanteil bilden braune und graue Sandsteine, oft von konglomerantischem Charakter, aus, in welche - besonders in größerer Tiefe - Steinkohlenflöze eingeschaltet sind. Die Oberkarbon-Schichten sind nur in ihrem unteren Teil, den sog. Unteren Ibbenbürener Schichten, mit den höchsten Karbon-Schichten des Ruhrgebietes vergIeichbar, nämlich mit der sog. Dorstener Gruppe oder der Flammkohlengruppe. Die Oberen Ibbenbürener Schichten, die neun weitere bauwürdige Flöze enthalten sind im Ruhrgebiet nie abgelagert worden. In dieser jüngeren Oberkarbon-Zeit hatte dort bereits die Auffaltung des Gebirges begonnen (Asturische Gebirgsbildung), die unseren Ibbenbürener Raum nicht mehr erfaßte.

Tektonisch gesehen stellt der Schafberg einen Horst dar, der bei der Auffaltung des Teutoburger Waldes als Folge von Zerrung und gleichzeitigem Druck durch subvulkanischen Magmatismus im Zusammenhang mit dem Aufdringen des "Bramscher Massivs", eines großen, im tieferen Untergrund der Stadt Bramsche festgestellten Intrusivkörpers, entstand. Letzterer ist auch infolge seiner großen Hitzestrahlung für die gegenüber dem Ruhrkarbon stärkere Inkohlung der Ibbenbürener Steinkohle verantwortlich. Der Karbon-Horst von Ibbenbüren wird von einer nördlichen und südlichen Randverwerfung begrenzt, die erzgebirgische Streichrichtung aufweisen, der Horst wird von zahlreichen weiteren Störungen durchzogen, die jedoch etwa Nord-Süd-Streichen haben und offenbar früher entstanden sind als die beiden Randverwerfungen. Diese Störungen, von denen die Bockradener Grabenzone bereits erwähnt wurde, teilen das gesamte Schafberg-Gebiet in eine Anzahl von Kohlenabbaufeldern ein.

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(Seiten 28 und 29)