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Am 13. Oktober 2009 wurde ein heller Feuerball über den Niederlanden und Norddeutschland gesehen. In der beginnenden Dämmerung, kurz vor 19:00 Uhr (nach dem Zeitstempel eines Fotos aus Assen, um 18:58:26), flog der Meteor in nordöstliche Richtung. Viele Geräuschbeobachtungen liegen aus den nördlichen Niederlanden vor.
Ergänzungen vom 26. Oktober 2009
Ergänzungen vom 6. November 2009
Ergänzungen vom 28. November 2009
Januar 2010 Überarbeitung und Bericht für eRadiant.
Ergänzungen vom 7. März 2010
Links
Die vermutet Flugbahn führte über das Ijsselmeer und endete östlich der Insel Juist.

Juist und Norderney in der Übersicht

Ein Animation der Meteorbilder, wie das Ereignis von Groningen aus zu sehen war.
Die Bilder stammen von Robert Mickaelyan und sind unter folgender Adresse zu finden:
Fotoarena.nl
Hier eine Animation der Rauchspurentwicklung. Aufgenommen von Maciej Libert aus Bremerhaven.
Die Originalbilder sind zu finden unter:
AKM e.V. Meteor Forum
Vergleich von Aufnahmen der Meteorwolke.

Ansicht von Bremerhaven (links), zwischen Rendsburg und Kiel (mitte) und von St. Peter-Ording (rechts)
Quellen:
Hamburger Abendblatt 13. Oktober 2009
Youtube

Das Originalbild der Meteorwolke wurde in Norden gemacht.
Quelle: Folkert Saueressig
Dieses bearbeitete Detail des Bildes zeigt, dass sich die Rauchspur in 4 Teile aufgelöst hat.
Sonnenuntergang war über Juist um 18:40 Uhr.
Zur Fallzeit war der Sonnenuntergang ungefähr 350 km entfernt.
Die Sonnenstrahlen dürften also Objekte in Höhen über 10 km noch direkt erreicht haben.

Mit roter Linie ist die Höhe eingezeichnet in der noch das volle Sonnenlicht die Meteorwolke anstrahlt.
Der Zerfall der Feuerkugel fand schon im rötlicheren Halbschatten statt.
Flugbahn

Die Meteorwolke auf dem Bild links (zwischen Rendsburg und Kiel aufgenommen),
zeigt in einem Winkel von 68° nach rechts unten.
Die Meteorwolke auf dem Bild rechts (Aufnahme aus St. Peter-Ording),
zeigt in einem Winkel von 79" nach unten links.
Der Meteoroid ist daher auf einen Bereich
zwischen St. Peter-Ording und Rendsburg zugeflogen.
Bei einer angenommenen Ausgangsposition im Wattenmeer
südlich von Juist, ergibt sich eine Flugrichtung von 59°
wie auf der folgenden Karte rot eingezeichnet.

Mögliche Streuellipse

Die mögliche Streuellipse ist auf diesem Bild rot eingezeichnet.
Wobei sie von der angenommenen Flugrichtung (gelb) etwas nach Süden versetzt ist,
weil zur Fallzeit ein Nordwind von etwa 60 bis 70 km/h herrschte.
Die Ellipse ist zudem im Westen noch etwas stärker nach Süden versetzt,
weil dort die leichteren Meteoriten zu erwarten sind,
die mehr vom Wind beeinflusst werde.
Ergänzungen vom 26. Oktober 2009
Nach Information von Mark Vornhusen wurde am 13. Oktober 2009 in Emden um 14:00 Uhr MESZ
(rote Linie im Diagramm unten) eine Radiosonde gestartet.
Eine weitere Radiosonde startete am 14. Oktober 2009 um 2:00 Uhr (blaue Linie).
In beiden Fällen kam der Wind in allen Höhen fast genau aus Norden.
Auf der x-Achse ist die Windgeschwindigkeit in km/h eingetragen
und auf der y-Achse die Höhe in m.

Zur Ermittlung der Höhe der Meteorwolke habe ich im folgenden Bild versucht eine Korrelation
zwischen den Windgeschwindigkeiten und der Form der Meteorwolke zu finden.
Auf einem bearbeiteten Bild aus St. Peter-Ording scheint mir eine Korrelation plausibel erkennbar zu sein.
Wobei mir die Höhen von 23 bis 32 km (als blaue Zahlen auf dem Bild) markant erscheinen.

Irgendwo zwischen 15 und 20 km Höhe ist die Meteorwolke nicht mehr zu erkennen.
Unter der Annahme, dass der Hemmungspunkt knapp über 15 km Höhe gelegen haben könnte,
scheint mir die hier unten kalkulierte Winddrift für die Dunkelflugphase möglich.

Die Winddrift nach Süden könnte somit über 4 km betragen
und damit doppelt so groß sein, wie zunächst angenommen.
Für eine mögliche Streuellipse bedeutet dieses natürlich eine stärkere Verlagerung nach Süden,
wobei im Norden und Osten der Ellipse die größeren Meteoriten zu erwarten sind.

Scheinbarer Eintrittswinkel auf einem Bild aus Assen ca. 25°.
Quelle Original: http://i37.tinypic.com/9rrg4y.jpg

Scheinbarer Eintrittswinkel auf einem Bild aus Hamburg ca. 30°.
Quelle Original: neue-oz.de

Scheinbarer Eintrittswinkel auf einem Bild aus Langenhagen ca. 20°.
Quelle Original: Westfälische Nachrichten
Nachträge vom 21. Juni 2010

Scheinbarer Eintrittswinkel auf einem Bild aus Dänemark ca. 25,25°.
Quelle Original: Dagbladet Ringkøbing-Skjern, 15. Oktober 2009, Dänemark

Scheinbarer Eintrittswinkel auf einem Bild aus Ermelo Niederlande ca. 32,4°.
Quelle Original: Miskotte Ermelo Nederland
Ergänzungen 6. November 2009

Der Gezeitenkalender
zeigt um 19.00 Uhr fast den Höchststand der auflaufenden Flut.
Überarbeitetes Bild der wahrscheinlichsten Streuellipse

Hierbei sind verschiedenste Augenzeugenberichte und Bilder aus dem Nah- und Fernbereich eingearbeitet.
Ferner wurde auch der starke Nordwind berücksichtigt.
Die Landung von Fragmenten erfolgte bei Flut und die Meteorite sind vom Wasser abgebremst worden
und vermutlich recht sanft auf den Wattboden gesunken.
Die Meteoriten enthalten wahrscheinlich größere Mengen an gediegenem Eisen und dürften im Salzwasser Rost ansetzen.
Da auch andere reaktive Stoffen enthalten sein werden,
ist eine Verfärbung des Wattbodens rund um die Meteoriten denkbar.
Wattlebewesen könnten ebenfalls von sich lösenden Stoffen aus den Meteoriten angelockt oder abgeschreckt werden
und somit die Lage von Meteoriten verraten.
Im nördlichen und östlichen Bereich der Streuellipse sind wenige Bruchstücke
vom Gewicht einiger Kilo denkbar,
während im westlichen und südlichen Bereich viele Kleinststücke im Grammbereich zu erwarten sind.
Ergänzungen vom 28. November 2009
Durch die Auswertung einer
Videoaufzeichnung
vom Flugplatz Eindhoven konnten Bahnparameter
der Flugbahn des Meteoroiden ergänzt und genauer ermittelt werden.

Blickwinkel der Kamera am Flugplatz Eindhoven
Quelle: Flugplatz Eindhoven Luftbild

Zusammengesetztes Bild der ersten und letzten Meteoraufzeichnung
mit den durch die Bildauswertung ermittelten Daten.
Karten mit der zugehörigen Trajektorie


Januar 2010 Überarbeitung und Bericht für eRadiant.
Beitrag für eRadiant
Ergänzungen vom 7. März 2010
Auf dem Thieberg in Neuenkirchen wurde der Feuermeteor auch beobachtet.
An der Position 52,25634°N 7,35628°E befanden sich zwei Augenzeugen.
Für den ersten Zeugen, den ich am 4. März 2010 vor Ort befragte,
entstand der Eindruck, der Meteor sei in höchstens 100 m Entfernung,
genau in Nordrichtung auf den Acker gefallen.
Der folgende Bildausschnitt zeigt:
An Position 1 den Kühlturm des ehemaligen Kernkraftwerkes Lingen in 25,3 km Entfernung, Richtung 352,32°".
An Position 2 den Kühlturm des Kernkraftwerkes Emsland in 24,2 km Entfernung, Richtung 353,72°.
An Position 3 den Schornstein der Müllverbrennungsanlage in Salzbergen in 6,3 km Entfernung, Richtung 356,41°.
Die ausgestreckte Hand weist auf die Stelle an der dieser Augenzeuge den Auftreffpunkt auf dem Acker vermutet.

Der Zeuge geht von seiner Beobachtungsposition in Richtung Auftreffort und hatte den hier nachgezeichneten Eindruck der Flugbahn.

Der zweite Augenzeuge, mit dem ich am 7. März 2010 einen Ortstermin hatte,
sah den vermutlichen Auftreffpunkt bei einem Azimut von etwa 5°.
Er hatte den Eindruck, dass der Meteor noch deutlich über dem Horizont erlosch.
Beide Zeugen sahen keine Rauchspur und kein Zerbrechen,
wohl aber den Feuerschweif des Meteor.
Fazit
Die Angaben dieser Augenzeugen legen nahe,
dass der Fluchtpunkt des Meteoroiden noch bis zu 25 km weiter östlich lag,
als bisher angenommen, also nördlich von Baltrum oder Langeoog.
Der Eintrittswinkel dürfte deshalb etwas flacher gewesen sein als bisher berechnet.
Für eventuelle Meteoritenfälle könnte somit auch die Insel Norderney in Betracht kommen.

