Auswanderbriefe

Louisville den 18 ten Februar

Liebe Eltern!
Da es schon einige Monate verflossen sind wo ich Euch zuletz geschrieben habe füle ich mich högst gedrungen Euch aus dieser neuhen Weld einige Reihen zu Schreiben ich befinde mich Gott sei dank immer noch in der besten u. glückligsten Gesundheit welges ich auch von euch allen hoffen werde, Eure mir so werten Brife habe ich richtig mit freuden erhalten, den letzen vom Bruder Bernhard habe ich im Januard erhalten. Ich Arbeite immer noch in die Breuveri u. verdine jetz die Monat 45 Dola u. nur 16 Dola Kostgeld salen, wir magen in den Tag 40 Tonnen Bier, den ich bin jetz nicht mer in der ersten Breuveri, den Küpers u. Nadorf haben noch eine grösere vor drei Monat gekauft u. so bin ich gleich da hin gekommen, wir arbeiten darin mit 12 Man, das Wasser läuft alles von selbst durch, durch Rore u. Schlaufen u. das Bir wird alles durch eine Maschine gepumpt welches mit Damph getriben wird, ich habe jetz eine zimlige gute Arbeit den meine Arbeit ist das Bir kogen u. die Maschine versorgen, doch bin ich nicht beabsigtigt in eine Breuveri zu bleiben, den ich habe immer noch grose Lust auf den Lande was anzufangen. Liebe Eltern ich habe wohl vernommen das Bernad immer noch grose Lust hat auch hir nach das schöne Land zu kommen, ich glaube auch es ist hir besser für Ihn als in Deutzland, wen er noch erst sol 3 Jahre das elendige Soldatenlebent mitmagen, das mögte ich ihm nicht wünschen, den wen er dafür drei Jahre hier im Lande ist kan er schon ein schönes geld haben, den hir sind ehe 5 Dola zu Verdinen als bei Euch einen halben, u. wer sparen wil kan es auch zurücklegen den die erste hundert Dola habe ich jetz schon ersparet, dafür kan man in Deutzland schon 6 Jahre Arbeiten, darum liebe Eltern wen er beschlutlicht hat, lasset Ihn ruhig gehen u. haltet nicht so innerlig zurük, den Ihr könnet doch nicht ewig zusammen bleiben. den jeder mus ja sehen das er u. wo er am besten durch die weld komt, von Onkel Gärad habe ich in 5 Monad nichs mer gehört u. ich kan auch schon färtig werden, wen Gott mir nur die Gesundheit läßt. Hirmit liebe Eltern muß ich für dismahl mein Schreiben schlisen. Leismans sind auch noch recht gesund, ich wünsche Euch liebe Eltern Oheim Brüder u. Schwester ein herzliges lebet wohl, indem ich verbleibe Euer treu herzlig liebender Sohn u. Bruder
Th. Hovekamp
Einen herzlichen Gruß an alle Freunde u. Bekannte