Auswanderbriefe
Cincinnöh den 26. Februar 1854
Lieber Vatter und Brüder ich kann es nicht unterlassen euch zu schreiben wie es mier auf der Reise gegangen ist. Drei wohgen haben wir noch gelegen ehe wir noch auf dem schieffe kahmen, auf schief wurde ich so gleich krank, drei woggen habe ich da gelegen. Aber der liebe Gott hatt mier Glücklich bewacht, 53 sind gestorben, mieht 6 wochen kamen wier an Land. Glücklich kahm ich in sinsinäti an, halb zehn uhr des abbens an bei meinem Onkel und Tante an, sie waren recht Gesund und ihre kleine tochter mariea noch recht gesund und ich bien auch recht gesund, das hofe ich.auch vohn äuch lieber Vatter und Brüder und das hofe ich vohn unser ganse vamilge das sie recht gesund sind, miehr fräuht es noch alle Thage das ich nach Amehrika hien gegahen bin, ich bin jetzt viell gesunder als in Deuschland und viel stärker und ich bien jetzt ein schneider geworden, wo ich 2 jahr und halbes läernen mus ,dan krieche ich 50 Thaller zu, mein Zäuch was ich hatte war viel zu schlecht. Aber mein Onkel ginch so gleich mieht mihr zum Laden und kaufte mihr von zen Thaler einen näuen Anzuch, ihr habet mihr gesacht als ich von Däuschland wechging , ich solte auch schreiben wie es hiehr woll währe. Da kan ich auch nicht über schreiben, den das mus ein jeder selber wiessen. Aber wer hier ist und arbeiten wiell der kan viel besser Leben als in Däuschland. Die Katoliesche Rellion ist hier eben so stark als in Däuschland und die Kirchen sind hier viel schöner als in Däuschland. Lieber Vatter nun wiell ich dihr mall schreiben wie es mieht die drei Thaler gegangen ist, ich war kaum in Bremen da war mein Geld schon auf, nun schreibet doch wieder so bald ihr nur könt, viel Bekannte habe ich noch nicht an getrofen. Drum Grüße du Lieber unser Vatter die Gansse Vamielge von mier,bekante und verwante den viel mer kann ich äuch nicht schreiben, den das ist alles was ich äuch schreiben kan. Aber doch habe ich was vergessen, hier sind Menschen die so genanten freimaurer, welche am Weinachtsfest einen Aufruhrmachten, des abends zogen sie miet 6 hundert aus, wollten dem Ersbieschof Bennedien welcher von dem Bahts hierhin geschieft wahr um hier die Gemeinde zu bezuchen.
Liebe Brüder und Schwestern
Ich kann es nicht unterlasen Euch zu Schreiben. Wir sind hir Alle noch froh und Gesund das hofe Wir auch von Euch, wen es nicht so wäre das würde uns von Herzen betrüben. Lieber Bruder Bernard. Ich kan es nicht unterlasen um Dich es deutlich zu Schreiben. Er ist den 29. Dezember bei uns angekommen und gesund war, welches uns Sehr freut aber Als Wier Ihn Fragten, wie es Ihm auf die Reise gegangen war, da hat Er es uns gesagt. Welche sehr Traurig ist, als Er es uns Sagte das auf ierem Schif 53 Gestorben waren, das Machte uns Betrübt, den Sie häten die Kolera gehabt. Denket mal nach wenn eine Krankheit auf dem Lande ist, so ist es Schlim, aber auf dem Waser ist es noch Gefärlicher, Ihr könnt Nirgens hin, Jeder kan Sich zum Tot Bereit halten, da ist gar Keine Hülfe als von Gott. Er ist gut Gesund, da habe Ich Ihn gefragt, wo Er Lust an habe zu Lerhnen, da hat Er zu uns gesagt, Schneider oder Schumager, die geschäfgte sind hir Beide gut, nun ist Er bei Schneider gegangen, da verdiene Er in 2 und ein Halbes Jahr die Kost und 50 Taller nach unser Geld. Ich habe Ihn ganß aus Gekleidet. Seine Reise und was Ich ihn gekauft habe, das Koste mir 60 Taller nach unser Geld. Wir Danken Gott, daß er Ihn bewaret hat.
Liebe Brüder und Schwestern Jetz tuhen Wir auch alle Grüßen alle unser Verwandten und bekannte. Jetz tun wir euch zu wißen das wir bald aus Sincinati vort gehen in Land ein Stätgen wenig größer als Rheine, welche Ruhmund heis,da haben wir 1 Aker Land gekauft darauf wier ein Haus bauhen wollen, wen uns Gott gesund läst, diesen Sommer bleiben wir noch hier den die verdiense sind hir Gut, den das Taglon komt hir auf 2 Taller Tag diesen Sommer, aber alles ist Teuer, 1 Barrler Mel Kostet hier
7 Taller und die Katuflen Busel 50 und die Buter Pund 20 Send und die Eier Duzen 18 und dasSchweineflesh 100 Pund 5 Taller und das Rindflesh100 Pund 6 Taller und Kafe Pund 15 Send.
Diese Briefe haben keine eigene Unterschrift,
Umseitiger Zusatz:
Diesen Brief an Gerad Brinkhödker in Altenrheine