Louisville den 31ten Januar
Lieber Bruder!
Weil ich Euch schon lange habe schreiben wollen bin ich doch mahl endlich so weit gekommen und habe die Feder wieder gefunden.
Ich kan Euch mitheilen, das wir alle noch gut gesund sind.
Augenblicklig haben wir recht Winterwetter, es ist recht Kalt mit Schnee. Das Winterwetter ist hier viel früher angefangen wie gewöhnlig. Die letzte Ernte wahr hier im durchschnit eine gesegnete, darum ist auch nichts über theuer. Weitzen 60 Pf. oder ein Buschel kostet 70 cent, Welschkorn von
35 – 40 cent pro Buschel. Fette Schweine Lebendig von 31/2 bis 4cent
das Pfund, geschlachtet 5 cent das Pf., oder 5 Dollar pro 100 Pf. Rindvieh dagegen hat ein besserer Preis, Fettes bringt von 3 ½ – 5 ½ das Pfund lebendich Pferde und Maulesel sind billig, Kartoffeln haben zimlig guter preis 60 Pf. oder ein Buschel kostet 50 bis 60 cent, unsere Weintrauben sind auch gut gerahten, ich mache gewöhnlich von 4 bis 7 Faß (Barrel) und kann immer ein glaß Wein trinken wenn ich will, je älter der Wein wird, soviel besser ist er.
Von Bruder Theodor habe ich noch vor kurzen ein Brief bekommen. Sie wahren alle noch gut gesund und sein ältester Junge hat sich verheirahtet und wohnt nahe bei ihm.
Frau Tammeling ist wieder gut und gesund hier angekommen auch hat sie mir das Gebehtbuch u. die Großenbohnen mitgebracht, ein schönes andenken von der alten theueren Heimat, sie sagte mir, es hätte ihr auf der ganzen Reise recht gut gefallen, auch bei Euch sei sie sehr freundlich u. willkommen aufgenomen u. sie dankte Euch nochmahls freundlichst dafür, auch hat sie mir erzählt, das es bei Euch alles recht prächtig ausgesehen hätte u. verwundert hätte Sie sich, das Vater noch so rüstig gewesen währe. Aber Frau Tammeling ihre ankunft hier in Louisville wahr für Sie eine traurige, den Sie fand Ihren Mann sehr Krank u. ist auch 3 Wochen nachdem sie wieder hier wahr gestorben, er litt an inwendigen Kreps, es hat mir bedauert, den es wahr ein sehr guter Mann. Von unsere Verwanten konte sie mir nichts erzählen, ich fragte nach Kleinhölter u. andere, konte keine auskunft geben, schreibet mahl darüber u. über Eure Nachbahren u. meine alten Schulkammeraten, was ist von meine Lehrerin
Fräulein Annemoser gekommen. Schließent grüßen wir Euch alle, Euer Sohn und Bruder B. Hovekamp
Schreibe bald wieder an B. Hovekamp, Okolona P.C.
Jefferson Co. Ky. United States Amerika
Cicinnati den 5 ten Juli 1873
Liebe Eltern!
In bester gesundheit nehme ich die Feder um Euch einige Seilen zu schreiben. Euern lieben Brief vom 8. v. M. habe ich richtig erhalten und zu meiner größten freude daraus gesehen, das Ihr alle noch recht gesund waret. Es ist hier kürzlich recht warm gewesen der Termometer zeigte 95 bis 100 Grad, hier 3 Grad ist bei euch 1Grad, mehrere Menschen die den Sonnenstich bekahmen, sonst ist es hier ein spätes Früjahr es ist lange hier kalt gewesen aber jetzt ist es schön, einige Monate recht warm. Hier in unserer hiesigen Statd ist kürzlich viel Brant gewesen, vor drei Wochen auf Sontagmittag brach feuer aus, hier nahe bei uns am Bahnhofe wo an die 1000 Fässer Rohlöhl und mehrere Fässer Benziene auf einmahl in Flammen standen, die Flammen griffen bald um sich, es waren gleich die Feuerkompanien bei der Hand, aber man wußte es erst in mehreren Stunden nicht, wer Siegen wollte. Es wurden 40 Famielien Obdachlos. mehrere Wagen auf den Bahnhof verbranten welche von der Hitze angezündet wurden u. noch vieles ohne dem, u. s. w. . Es fält wohl mangmahl, das in einen Tage 2 – 3 mahl Feuer ausbricht, es wird immer bald gelöscht, es geht eine Telgraphe durch die Stadt sobald als Feuer ausbricht wird nach allen Feuerkompanien hin Telegraphirt. Es sind 18 Feuerkompanien in der Stadt, die Brandpumpen werden mit Dampf getrieben, mangel an Wasser ist niemahls, das Wasser geht unter die Strasen her durch große Eiserne röhre, es wird mit einer Dampfmaschiene aus dem Ohio Fluß herein getrieben, das Wasser geht durch die ganze Stadt, Brunnenwasser ist hier sehr wenig. Auch kann ich Euch mitheilen das die Cholera hier ausgebrochen ist und es müßen Täglich mehrere Ihren Geist darin aufgeben, aber es ist doch nicht so gefährlich. Gestern den 4. Juli ist hier ein großer Feiertag in Wirtzhäusern und andern plätzen,dieser Tag wie jedes Jahr hoch gefeiert, es ist der Jahrestag wo Ameika sich hat frei gefochten, an diesen Tage liegen alle geschäfte still.
Onkel Hovekamp und auch Nabers sind alle noch guten Muthes. Auch habe ich ein Brief nach Theodor geschrieben aber noch keine antwort zurück.
Dies für heute, nächstens mehr, Schliesend grüße ich Euch allen vielmals herzlich, Eltern Oheim Brüder und Schwestern Verwante und Bekannte
Euer treuliebender Sohn u. Bruder
Bernard Hovekamp
Rotterdam den 4 ten Juni1872
Liebe Eltern
In bester gesundheit nehme ich die Feder um euch mitzuteihlen das ich gestern abend hier angekommen, und bin hier ganz gut zurecht, der Agmut Baker war am Bahnhoff holte uns ab, wir sind hier drei beinander, einer aus Bremen und ein Beier, heute abend geht das Schiff ab nach Huln in England, morgen abend kommen wir da an,von da aus 6 Stunden auf der Bahn nach Lifferpoll, da kommen wir aufs große Schiff. Es freut mich, das ich so darauf loß gegangen bin, von da aus ein Tagwerk ist ganz unnütz..
Das Schiffgelt kostet47 Th. Da komme ich von hier bis New – Jork, da ist die Bahn mit bei und vür Matratze Deck und Bleck 4 Thr. 19 gr.
Liebe angehörige sei nur ganz ruhig um mich, ich will schon zurecht kommen es ist gar so schlimm nicht wie ich noch meinte, wer nur verstand hatt, laß nur dreist so darauf loßgehen, den es ist viel billigerda, die dummen Klugsprecher müßt ihr nicht glauben, die ist es ums Geld zu tuhn.
Als wir da erst loß gingen, kahmen wir bei Winnemöller an, der Teodor hat uns den weg gezeicht nach Ohne, hatt mir aber nicht gekant, ich setzte meine Kappe verdreht auf den Kopf, sprach etwas Hollänsch, so gut ich konte. Von da aus haben wir den Weg gut gefunden u. sind gegangen bisß Oldensahl, da wahren wir desß laufen müde, um 11Uhr ging der Zug ab und sind 6 Uhr gestern nachmitag hier angekomen. Pappiere hatt man garnicht nöhtig. Seit nur ganz ruhig es ist gar so gefährlich nicht, ich will wohl den Weg finden.. Hiermit will ich mein Schreiben schließen, grüße euch alle Eltern und angehörige.
Indem ich verbleibe euer Sohn und Bruder
Bernard Hovekamp