Auswanderbriefe
bh-1872
Liebe Eltern
Da ich weis das ihr gern sehet das ein Brief von Amerika kömmt so kann ich es nich unterlassen euch einige Zeilen zu schreiben. Ich kann euch miteihlen das ich Gott sei Dank der Glücklichsten und besten gesundheit hier angekommen bin. Ich bin am 25. Juni Abens aus New – Jork gefahren da kahm ich am 28 ten Morgens in Cicinati an, von da aus kahm ich aufs Dampfschiff, kahm also am 29 ten morgens hir hin. In Cicinati hatte ich einige Stunden zeit da habe ich auch noch geschwind Onkel Josep aufgesucht, er war recht gesund und führt ein ganz gemütlich Leben aber ich bin nur einige Stunden dagewesen. Als ich da ankahm bin ich erst nach Leismanns gegangen, welche auch alle noch recht gesund sind. Am Sontagmorgen kahm ich bei mein Bruder, welcher große Augen machte als er mir sah. Der fühlt sich sehr gut er hat noch wohl ein zihmliges gewicht, hundertachzich Pfund nach euer gewicht kann er holen , er ist aus der Brauerei weg und ist hier auf dem Lande bei Jann Hüber, wo ich auch bin, aus Emsbüren, wir sind hir jetzt am Hafer mähen aber das geht alles mit Maschinen, ein Man kan das,es werden 2 Pferde davor gespannt, dan getz immer rundherum,mann hatt ander nichts zu tuhn als blos die Pferde treiben und die Schwarzen nigger müssen binden. Es ist hir sehr heiß die Hitze ist hier vill drückender wie bei euch. Mitt meinem Geld bin ich gut ausgekommen, aber doch das meiste war weg als ich hier kahm aber das magt nichtz hier kann mann was wieder kriegen. Auf der Reise ist alles sehr teuer da kann mann viel los werden, ich habe gerade 4 Wochgen weniger 2 Tage gereist von einem Ort zum andern, Deutsche wahren wohl bei mir aber keine bekanten, in New- Jork kamen wir doch alle auseinander, der eine hier hin der andere dahin. Schreck habe ich auf der ganzen Reise nicht gehabt, immer frisch darauf los, Papieren sind mir auch gar nicht abgefragt. Meine 3 Kleider habe ich alle gut mitgekrigt, es ist mir keine brocke verloren gangen, in Liferpool habe ich mir eine Kiste gekauft, so weit habe ich es so mit geschlept
Liebe Eltern und angehörige bekümert euch nicht um mich, ich bin imer recht gesund und will hir schon fertig werden. Schreibt mir doch mahl gleich wieder, wie es bei euch mit das Korn aussieht und wie es mit meine Soldaterei ist, was die Leute wohl sagen.
Hiermit will ich mein schreiben schliesen und wünsche euch allen Eltern
Oheim Brüder und Schwester ein dreifaches lebe wohl und allen Verwante Freunde und Bekannte u. verbleibe Euer treu u. unvergeslich liebender Sohn und Bruder
Bernard Hovekamp