Römisches Kastell am Thieberg?
Auf einer Luftbildkarte des Thieberg (Mai/Juni 1988) zeigt sich etwa 3 km westlich
der ehemaligen Emsfurt in Rheine eine auffällige Bodenstruktur.
(einige Kartenbilder sind durch Anklicken zu vergrößern)
Die rechteckige Struktur hat eine Seitenlänge von ca. 210 m und ist im Norden durch einen Feldweg begrenzt
und eine ehemalige Kalkgrube liegt in der nordöstlichen Ecke.
An der Ostgrenze liegt das Kalkwerk Breckweg.
Im Süden und Westen sind aufgehellte Linien zu erkennen, die wahrscheinlich ehemalige Wege waren.
Die südliche Grenze dürfte einem alten Verlauf der Straße von Neuenkirchen nach Rheine entsprechen.
Das Innere der Struktur zeigt auf der westlichen Hälfte eine deutlich dunklere Färbung
in der Form eines seitenverkehrten Buchstaben "E".
Die Konturen dieser Strukturen sind auf dem unteren Bild farblich nachgezeichnet.
Welche möglichen Ursachen sind für diese Strukturen denkbar?
Der Thieberg bildet an dieser Stelle in Richtung Kalkwerk einen leicht ansteigenden Hang.
Der Kalkverwitterungsboden ist sehr flachgründig und besitzt nur eine dünne Ackerkrume.
Schon eine geringfügig dünnere Ackerkrume führt dazu,
dass beim Pflügen vermehrt Kalksteine an die Oberfläche gelangen.
Der unbewachsene Boden wirkt dann in diesen Bereichen durch die weißen Kalksteine stark aufgehellt.
Es ist daher anzunehmen, dass die dunkleren Bereiche auf den Luftbildern eine mächtigere Ackerkrume haben.
Die Ursache hierfür könnte sein,
dass hier in den vergangenen Jahrhunderten z.B. durch Plaggenwirtschaft
(siehe auch:
Wikipedia "Plaggen")
fremde Erde aufgetragen wurde.
Insbesondere kommt für diesen Bereich auch in Betracht,
dass von den ehemaligen Kalkgruben und dem Kalkwerk in der Nähe der Mutterboden über dem Kalkgestein abgetragen
und auf den benachbarten Flächen verteilt wurde.
Auf der obigen Karte von 1842 sind Steinbrüche und Kalköfen westlich der Stuktur verzeichnet,
da wo heute das Kalkwerk Breckweg besteht,
ist erst auf einer Karte von 1895 (Karte unten) ein Steinbruch und Kalkofen verzeichnet.
Die dazwischenliegenden Flächen sind bis dahin noch scheinbar unberührt.
Der Verlauf der alten B70 ist schon bereits 1842 etwa dort,
wo heute noch die Straße von Neuenkirchen nach Rheine verläuft
und schon nicht mehr auf der im Luftbild sichtbaren Aufhellung.
Der Weg auf der westlichen Seite verläuft aber bis mindestens 1895 noch am Rande dieser Struktur,
wobei besonders auffällt, dass der Verlauf des Weges bis zur südwestlichen Ecke unregelmäßig ist,
um dann gradlinig nach Norden abzuknicken.
Auf der nördlichen, östlichen und südlichen Seite der Struktur sind keine Wege verzeichnet.